Ausgewählte Ausstellungen:

2017  – EVBK, Prüm (Katalog)
– Messezentrum Triangel, St.Vith, Belgien
– KunstForumEifel, Schleiden
2016  – EVBK, Prüm (Katalog)
– SWR "Galerie im Büro", Trier
2012  – Franziskanischer Kloster, Danderleew, Belgien
– Galerie Seidel, Köln
– Kunsthalle Lindenthal, Köln
2011  – Galerie Alte Weberei, Rödingen
– Museum der Badekultur, Zülpich
– Galerie Seidel, Köln
2009  – Skulpturengarten Sürth, Köln
– Galerie Armdaum, Bergisch-Gladbach
2008  – Galerie Groot Welsden, Holland
– Monschauer Plätze, Monschau (Katalog)
2007  – Ludwig Forum, Aachen (Katalog)
– Skulpturgarten Sürth, Köln
2006  – Int. Woche der Dekoration, Manege, Moskau (Katalog)
– Aukloster, Monschau (Katalog)
2005  – Galerie KuK, Monschau (Katalog)
– Galerie Eifel/Ardennen, Prüm (Katalog)
– Galerie Groot Welsden, Margraten, Holland
– Einzellausstellung in der Galerie Unser Erbe, Moskau
– Galerie Alte Weberei, Rödingen
2004  – Galerie Wereld, Maastrich, Holland
– FHS Aachen-Jülich
– Das Mauerbacher Kunstforum e.V.
– EN-Kunst 2004 (Katalog)
2003  – Galerie Art & More, Aaachen
– Europäischer Kunsthoff, Vicht
– Galerie Bazak, Dortrecht
– Einzelausstellung HIMO, Imgembroich
– Landart, Monschau (Katalog)
2002  – Malteser Krankenhaus St. Elisabeth, Jülich
– Aukloster, Monschau (Katalog)
– Einzelausstellung „Haus Katz“, Jüchen
– Galerie Alte Weberei, Rödingen
1999 – 2001  – Galerie Seidel, Köln
1997  – Museum für moderne Kunst, Lüttich
1995  – Einzelausstellung bei FzKKE, Euskirchen
1994  – Einzelausstellung im Alten Rathaus, Frechen
1993  – Einzelausstellung im Zentrum für darstellende Kunst, Moskau
1992  – Einzellausstellung in der Galerie Unser Erbe, Moskau

Arbeiten von Pavel Zamikhovsky befinden sich im Museum GRASSI in Leipzig

sowie in privaten Sammlungen weltweit.

Archaisch rohe Poesie

Pavel Zamikhovsky,1947 in Moskau geboren, lebt seit 1994 in Köln. Nach Anfängen in der Medizin und der Restaurierung von Ikonen begann er ein Studium an der Moskauer Kunsthochschule im Bereich Keramik, das er 1974 abschloss. 1979 gründete er eine eigene Werkstatt aus dem inneren Bedürfnis, mit dem Material Ton zu arbeiten. Er erfreute sich zunächst am emporwachsen einer Vase oder eines Kruges aus einem Klumpen Lehm auf einer Töpferscheibe und brannte die Tongeschirre im eigenen Ofen. Das brachte handwerkliche Erfahrung. Dann wurde er handgreiflich, denn zwei Jahre später ließ ihn ein neuer Impuls die regelmäßigen Formen durch spontane Eingriffe ins Skulpturale verschieben. Von nun an arbeitete er ohne Töpferscheibe in einem knetend aufbauenden Prozess. Zugleich ging er auch freier mit Glasuren um, die nun ungleich-mäßig über den Scherben liefen und in Sprünge sickerten. Die spröde Sinnlichkeit des Materials wird so fassbar und nicht durch Glanz und Glätte gebändigt, bzw. überdeckt. Nicht mehr eine schnell erfassbare, spülmaschinenfeste Form steht im Vordergrund, sondern ein Hohlkörper von differenzierter Oberflächentextur und schlichter Anmut. Diese Objekte fordern Zeit zur Betrachtung, mehr noch, sie fordern die Teilnahme der Hände zum Erspüren und Begreifen der Form.

Pavel Zamikhovskys Objekte und Skulpturen aus Keramik scheinen auch zeitlich aus einer anderen, naturverbundenen Zeit zu stammen. Sie zeichnen sich durch eine harmonische Formensprache und eine erdverbundene, warme Farbgestaltung aus. Seine Glasurtechniken, aus traditionellen Formen der Keramikherstellung weiterentwickelt, erzeugen eine spannungsreiche Oberflächenwirkung, die an Formen aus der Natur, wie etwa Kieselsteine oder Baumrinde erinnert. Pavel Zamikhovsky präsentiert seine Skulpturen meist auf dem Boden, so dass sie dem Betrachter oft wie zufällig gewachsene Strukturen erscheinen. Die wuchtig wirkenden Keramikobjekte von ungeschlachter Anmutung scheinen einem archaischen Kulturkreis entlehnt zu sein. Das offensichtlich handbearbeitete Material und die Vielfalt erdfarbener und leuchtender Glasuren können gegenüber der Form ein stärkeres Eigenleben führen, als bei gewöhnlicher Keramik. Wie kommt das zu Stande?

Pavel Zamikhovsky hat eine eigene keramische Technologie entwickelt, [die sich an eine, dem Zen-Buddhismus verwandte Betrachtungsweise anlehnt] [...]. Er experimentiert mit Farben und Glasuren und verschiedenen Beimengungen, wie etwa Rost [oder Metall]. Er erzeugt Objekte von 2 Meter Länge, die die Dimensionen älterer Traditionen sprengen. Seine in internationalen Sammlungen verbreiteten Arbeiten bezeugen die Wirkungsfähigkeit seiner kulturübergreifenden Formfindungen, die jedesmal ein unberechenbarer und unwiederholbarer Einzelfall sind, der auf die Bedingungen des Materials und des Brennens Rücksicht nehmen muss, wenngleich die Experimentierfreude und Risikobereitschaft Pavel Zamikhovskys diese Grenzen immer neu auslotet. Der Brennführung von ihm verwendeter, heutiger Schamotte mit ihrem hohen Anteil an Aluminiumoxid, Schieferton und Kaolin kommt entscheidende Bedeutung zu, da zu geringe Erstbrandtemperaturen bei einem Zweitbrand zum Nachschwinden führen. Zu schneller Temperaturanstieg kann vorzeitige Glasbildung und Volumenänderungen, Sprünge, Risse und Blasen hervorrufen, die die Stabilität gefährden und ästhetisch nicht befriedigen. Obwohl gerade Zufallsstrukturen gewünscht sind, soll das Endprodukt dicht und harmonisch sein. Ein heikler Vorgang also, der viel Erfahrung bei der Herstellung braucht, um Ausschuss zu vermeiden. Kein Wunder auch, dass sich nach dem Formungs- und Brennprozess der strenge Ausleseprozess anfügt und Pavel Zamikhovsky nur eine geringe Anzahl von Keramiken die Werkstatt verlassen lässt.

Die eher wie figürliche Torsi wirkenden Vasen und Gefäße mit fragilen Ausstülpungen vermitteln den Eindruck unaufdringlicher, aber selbstsicherer Existenz. Die Vasen besitzen eine Präsenz, bei der Blumen die plastische Wirkung dieser Einzelstücke eher stören würden. In einer von Symmetrie und Perfektion bestimmten Welt scheinen Gegenstände, die so gebrannt wurden, etwas ganz Besonderes zu sein. Die weichen Oberflächen und Kanten, der milchige Schimmer der Glasuren und das zufällig erscheinende, gefärbte Rissenetz geben dem Betrachter das Gefühl, etwas Unvollkommenes, Zufälliges anschauen und anfassen zu dürfen. Wie viel Können für diese scheinbar unvollkommene Wirkung nötig ist, dürfte Ihnen bewusst geworden sein. Sie sehen hier schlichte Formen von roher Poesie. Eine große Ruhe geht von den Werken aus, sie bietet Zufriedenheit, Freude und Vergnügen.

Dies wünsche ich Ihnen nun bei ihren eigenen Betrachtungen.

 

Dr. Dirk Tölke

Aachen, 2007

Der Künstler und seine Kunst

Der Künstler nennt seine Arbeiten Vasen. Wenn man sich der Hypnose dieses bekannten Wortes unterwirft, wird man zunächst einmal damit einverstanden sein. Doch je länger man diese Werke anschaut, je mehr man mit den Händen seine weichen, lebendigen Formen untersucht, desto sinnloser erscheint diese Definition, und das Gehirn selbst drängt jenes Wort an die Oberfläche, das es zunächst wie ein Versprechen aufgenommen hat – das Wort Skulptur, denn die Arbeiten  von Zamikhovsky sind ebenso selbstständig wie Statuen, Büsten,  oder abstrakte Objekte. Wie alle Skulpturen verlangen sie konzentrierte Aufmerksamkeit, wie Skulpturen organisieren sie auf besondere Weise die Zeit und verwandeln sich selbst in ihr, wobei sie dem aufmerksamen Betrachter immer neue Geheimnisse ihrer Form und Gesinnung zu eröffnen. Praktisch hat keine dieser Vasen lebendige Blumen in Sinn. Im Gegenteil, die die leuchtenden Farben der Pflanzen und ihr würziger, lebendiger Duft können den asketischen Zauber der Keramik zerstören, indem sie sich ungeschickt in die Tiefe Meditation der Objekte des Künstlers einmischen.

Wie jedes Werk der Bildhauerkunst brauchen auch die Werke von Pavel eine besondere Sphäre des Wohnens: freie, ungetrübte Interieurs, gewirkt aus weißen Wänden und weichem Licht. Und unwillkürlich erinnert man sich an die japanischen Häuschen, in denen die Tee-Zeremonie gepflegt wird. Dort herrscht ein besonderes Ritual, dort sind die Bewegungen gemächlich und die Worte werden sparsam gewählt. Dort erfreuen sich die Weisen, nachdem sie den starken Tee getrunken haben, der mit einer harten Bambusbürste geschlagen wurde, lange an der groben keramischen Schale, studieren ihr bizarres, verschwommenes Relief und die gedämpften Farbklekse an ihren Seitenwänden. Dort in diesen Häuschen aus Papier und Bambus, ist der Ort für die Vasen – Skulpturen von Zamikhovsky. Dort ist ihre geistige Heimat.

Ich weiß nicht woher, auf Grund welcher Schicksale  am Ausgang des zwanzigsten Jahrhunderts im Getümmel einer Großstadt die Ruhe und die Ästhetik der Zen-Keramik im Japan des 16.  Jahrhunderts wiederaufgelebt ist, doch wenn ich die Werke Pavels ansehe, so weiß ich, das es geschehen ist. Diese Verwandtschaft ist nicht literarisch, sie wurde nicht durch die Qual der langen Wachen in den Bibliotheken und Museumssälen erzielt. Sie ist natürlich, einfach und tief. Daher sind auch die Formen und Farben seiner Werke ursprünglich, einfach, fast  archetypisch. Unbewusst kehrt Zamikhovsky in seinem Schaffen zu gewissen Quellen der Zivilisation zurück, zu den Quellen der Keramik in einer Zeit, in der die Menschheit Form und Farbe auf der Ebene des Gefühls begriff, dem Raum und der Geometrie einen sakralen, geheimnisvollen Sinn zuteilte und die Zeit in der Falle der Zeichnung und der Skulptur fing. Die Werke Zamikhovskys verfügen über jene besondere Zeit, über die Ziffernblatt der Armbanduhren keine Macht hat. Sie leben jenes mächtige, stille Leben, das auch die paläolithisches Venus-Figuren lebten, ebenso wie jene chinesischen Lehmsoldaten, die sich Jahrhunderte lang durch tiefe Grabeshöhlen schleppen und doch immer an der gleichen Stelle bleiben. Die Arbeiten Pavels sind Teil dieser Welt, in der man sein ganzes Leben lang schweigen und gleichzeitig alles sagen kann.

 

Dr. Maxim Nenarokomow

Köln, 1998